Ursprünglich 1838 erbaut, setzten Norbert Gleich und die Aktivbau GmbH beinahe 180 Jahre später dieses spannende Projekt im Auftrag von Kerstin Bertz, Architektin und Bauträgerin aus Heppenheim, um. Vom Haus eines Steinmetzmeister über die Verwandlung in das sogenannte Serbenhotel 1874, entstand Ende des 19. Jahrhunderts das Grand-Hotel Bayerischer Hof. Über mehrere Jahrzehnte residierten dort Adel und Geld, bevor es schließlich 1954 der bayerische Staat kaufte und als Polizeistation nutzte. Nach deren Verlegung nach Bad Wiessee, blieb das Gebäude als Polizeiwohnheim bestehen - äußerlich heruntergekommen und nach rein zweckmässigen Anforderungen umgestaltet und verbaut. Das erklärte Ziel 2014 war nun ein Umbau in exklusiven Wohnraum mit angrenzender Parkanlage. Ein spezielles Vorhaben von schlüsselfertig Bauen, das von vielen Herausforderungen geprägt war. Denn zunächst erschien es nahezu unvereinbar, die Auflagen des Denkmalschutzes sowie die baulichen Schwierigkeiten vor Ort mit dem Anspruch modernster Wohnqualität zu vereinbaren.

Letztendlich gelang dies aber in einzigartiger Weise. Wertvolle historische Wandmalereien und Holzkonstruktionen wurden mit aktuellen Baumaßnahmen kombiniert. Herausforderungen, wie den Einbau modernster Elektrik-, Heizungs- und Sanitäranlagen konnten gemeistert werden. Und die Aktivbau brachte durch ihre umfangreichen Erfahrungen im Denkmalschutz bei anderen Projekten schließlich auch den Anspruch der Bauherren und die Vorgaben des Brandschutzes in Einklang. Das überwältigende Ergebnis beweist einmal mehr, dass dies nur durch die Zusammenarbeit eines perfekten Netzwerks von Objektleitung, Bauherren und Handwerkern möglich war.

Mit der Orientierung an Originalbauplänen entstand eine einzigartige Meisterleistung am Ufer des Tegernsees. Der Rückbau des Palazzos und die Wiederherstellung vieler Elemente aus der Renaissance konnten in faszinierender Art und Weise umgesetzt werden. Individualität in jeder einzelnen Wohneinheit sowie technische Raffinessen, wie beispielsweise der Anbau eines Aufzugs an der Aussenfassade und die Integration moderner Heizungsanlagen, die unter neuesten ökologischen Anforderungen verbaut wurden, bilden jetzt ein harmonisches Bild. Jetzt können die neuen Bewohner entspannt in überlieferten Geschichten schwelgen - sei es diejenige, die von rauschenden Ballnächten im Grand Hotel erzählt oder jene, die beschreibt, wie aus dem freundlichen kleinen Raum nebenan nichts mehr daran erinnert, dass dieses Zimmer ursprünglich eine Arrestzelle im ehemaligen Polizeigebäude war...

Text: Sonja Lehmann

Fotos: Norbert Gleich